— Feldnotiz Nr. 6 —
Warum Pteranodon kein Dinosaurier ist
Kurz erklärt
Pteranodon prangt gern auf Schachteln mit der Aufschrift „Dinosaurier“, und das zu Unrecht. Er ist ein Flugsaurier und gehört damit zu einem eigenen Zweig fliegender Reptilien, nah verwandt mit den Dinosauriern, aber selbstständig. Über Verwandtschaft entscheiden weder Größe noch Alter noch die Fähigkeit zu fliegen. Es zählen Abstammung und Skelettbau.

Nicht jede Urzeitechse ist ein Dinosaurier
Im Erdmittelalter gab es eine Fülle von Reptilien, und die Dinosaurier waren nur eine Gruppe darunter. Die Flugsaurier sind ihre nahen Verwandten, so etwas wie Cousins, aber sie bilden einen eigenen Zweig. „Fliegender Dinosaurier“ ist deshalb ein ungenauer Name für einen Flugsaurier, so vertraut er auch klingt.
Pteranodon ist der bekannteste unter ihnen: ein zahnloser Schnabel, ein langer Kamm am Hinterkopf und bei großen Männchen eine Spannweite von bis zu sieben Metern. Die Weibchen waren deutlich kleiner, etwa vier Meter. Der Flügel besteht aus einer Flughaut, die an einem einzigen, dafür unglaublich langen vierten Finger aufgespannt ist.
Zwei Wege zum Flügel
Bei Vögeln, angefangen bei frühen Formen wie Archaeopteryx, besteht die tragende Fläche des Flügels aus Federn. Federn trugen auch manche Nicht-Vogel-Dinosaurier. Bei Microraptor wuchsen lange Federn an Vorder- und Hinterbeinen.
Flugsaurier eroberten die Luft auf ihre eigene Weise, mit einer Flughaut. Nackt waren sie trotzdem nicht. Feine, haarartige Fasern bedeckten den Körper, und beim brasilianischen Tupandactylus wurden 2022 sogar verzweigte beschrieben, die viele für eine Art Federn halten. Übrigens: Pterodactylus und Pteranodon sind verschiedene Tiere aus verschiedenen Epochen.
Und die Meeresechsen?
Mosasaurus steht den Dinosauriern noch ferner. Er gehört zu den Schuppenkriechtieren, derselben großen Gruppe wie heutige Eidechsen und Schlangen, und jede Eidechse ist näher mit ihm verwandt als Tyrannosaurus. Seine Beine wurden zu Flossen, sein Körper stromlinienförmig, wie bei allen, die ernsthaft ins Meer umziehen.
Plesiosaurier und Ichthyosaurier bilden zwei weitere, eigene Gruppen. Die Ähnlichkeit trügt: Stromlinienform und Flossen sind bei Meerestieren mehrfach und unabhängig voneinander entstanden.
Wozu die Unterscheidung?
Weil hinter den Gruppennamen eine Geschichte steckt. Wer alle urzeitlichen Reptilien Dinosaurier nennt, verliert das Spannendste: Verschiedene Zweige eroberten Luft und Meer unabhängig voneinander, jeder auf seinem eigenen Weg. In unserem Katalog stehen Flugsaurier und Meeresechsen neben den Dinosauriern, damit das Bild des Erdmittelalters vollständig ist, nicht wegen einer Verwandtschaft.
Fragen und Antworten
Warum gilt Pteranodon nicht als Dinosaurier?
Weil er ein Flugsaurier ist, und die bilden einen eigenen Zweig der Reptilien. Über Verwandtschaft entscheiden Abstammung und Skelettbau, äußere Ähnlichkeit zählt nicht.
Was unterscheidet ihn von Pterodactylus?
Pterodactylus lebte im Jura und hatte Zähne. Pteranodon erschien später, in der Kreidezeit, war zahnlos und viel größer.
Gab es Dinosaurier, die ans Wasser gebunden waren?
Ja. Spinosaurus ernährte sich von Fisch und lebte am Wasser, auch wenn umstritten ist, wie gut er schwamm. Und unter den heutigen Dinosauriern, den Vögeln, gibt es Wasservögel in Hülle und Fülle.
Konnte Pteranodon einen Menschen davontragen?
Dafür gibt es keinen Anhaltspunkt. Aus einer riesigen Spannweite folgt nicht, dass ein Tier schwere Lasten heben konnte.


